Prof. Thomas Neuhann und Kollegen - Fachärzte für Augenheilkunde
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Die Netzhautablösung (Ablatio retinae)

Was ist das?

Unter einer Netzhautablösung versteht man eine bedrohliche Sehstörung, die durch Abhebung der Rezeptorschicht der Netzhaut vom darunter liegenden Pigmentepithel entsteht.

Zu den Risikofaktoren zählen die (vor allem hohe) Kurzsichtigkeit, eine vorangegangene Katarakt-Operation mit Kunstlinsenimplantation (Pseudophakie-Ablatio), diabetische Netzhautveränderungen (diabetische Retinopathie) sowie Entzündungen oder Tumore im Auge.

Bei bekannten Risikofaktoren sollte regelmäßig eine augenärztliche Kontrolle erfolgen, um Vorstufen (z.B. Netzhautlöcher) rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Da die Prognose vom Grad der Netzhautablösung abhängt und das betroffene Auge im schlimmsten erblinden kann, sind frühzeitige Diagnose und Therapie entscheidend.

Ursachen der Netzhautablösung

Rhegmatogene Netzhautablösung
Die häufigste Ursache für eine Netzhautablösung ist ein Netzhautloch oder -riss. Eine rhegmatogene Netzhautablösung tritt bei Kurzsichtigkeit, nach Katarakt-Operation oder auch infolge von Verletzungen des Auges auf.

Exsudative Netzhautablösung
Eine Netzhautablösung kann aber auch durch Flüssigkeitsaustritt aus den Aderhautgefäßen durch ein geschädigtes Pigmentepithel unter die Netzhaut entstehen. Ursachen hierfür sind z.B. entzündliche Prozesse oder Tumore.

Traktive Netzhautablösung
Die Netzhaut kann sich ebenfalls ablösen, wenn durch Netzhaut-Glaskörpermembranen Zug auf die Netzhaut ausgelöst wird. Diese Form tritt vor allem bei fortgeschrittenen diabetischen Netzhautveränderungen auf und wird auch bei Frühgeborenen beobachtet.
Traktive Netzhautoperationen können auch als Komplikation nach vorausgegangenen Netzhautoperationen auftreten.

Symptome einer Netzhautablösung

Frühsymptome und daher Warnzeichen einer Netzhautablösung sind die Wahrnehmung von Lichtblitzen oder von einem Schwarm schwarzer Punkte. Sie entstehen, wenn auf ein Netzhautareal -z.B. durch eine Glaskörperanheftung - Zug ausgeübt wird bzw. wenn es zu einer Blutung in den Glaskörper kommt.

Bei bereits abgehobener Netzhaut kommt es zu einer der Ablösung gegenüberliegenden Gesichtsfeldeinschränkung. Patienten beschreiben oft, dass sich eine dunkle Wand "von unten" (bei einer oberen Netzhautablösung) oder "ein schwarzer Vorhang" in das Gesichtsfeld schiebt.

Im fortgeschrittenen Stadium kann auch die Sehschärfe reduziert sein.

Diagnostik der Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung wird in der Regel durch eine Augenhintergrundspiegelung diagnostiziert. Für optimalen Einblick in das Auge wird zuvor die Pupille mit Augentropfen erweitert. In eingen Fällen wird der Augenarzt auch ein sogenanntes Kontaktglas auf das zuvor oberflächlich betäubt Auge setzen.

Ist der Einblick durch eine getrübte Linse (Katarakt), eine Glaskörperblutung oder eine Hornhauterkrankung nicht möglich, kann eine Ultraschalluntersuchung Klarheit schaffen, ob die Netzhaut anliegt oder abgelöst ist.

Therapie

Bei Vorstufen der Netzhautablösung (Netzhautloch) ist die Laserbehandlung das Mittel der Wahl. Dabei wird die das Loch umgebene Netzhaut mit der darunter liegenden Aderhaut "verschweißt", so dass sie sich nicht mehr ablösen kann.

Liegt der Netzhautablösung eine andere Erkrankung zugrunde (Entzündung, Diabetes) so sollte diese Erkrankung ebenfalls behandelt werden. Bei der exsudativen kann es u.U. dann, ohne weitere Eingriffe am Auge, zu einer Rückbildung kommen. Ansonsten muss die Netzhautablösung operativ versorgt werden.

Die Art der Operation richtet sich nach dem Schweregrad der Veränderungen und nach der auslösenden Ursache.

Eindellende Netzhaut-Operation (Plombe oder Cerclage)
Dieses Verfahren wird eingesetzt, wenn ein Netzhautloch als Ursache für die Ablösung lokalisiert werden kann. Ziel der Operation ist es, durch äußeres Aufnähen einer Silikonplombe oder eines um das Auge gelegten Silikonbandes das Auge an der Stelle des Netzhautloches einzudellen und damit zu tamponieren. Außerdem wird - ebenfalls von außen - mit einer Kältesonde an der Stelle des Loches eine Entzündungsreaktion ausgelöst, die an dieser Stelle zur Verklebung von Pigmentepithel und Netzhaut führt (Cryokoagulation).

Glaskörper-Operation (Vitrektomie)
Kann man kein Loch lokalisieren oder handelt es sich um eine Traktionsablatio, so muß eine sogenannte Vitrektomie durchgeführt werden. Dabei wird der Glaskörper einschließlich der an der Netzhaut angehefteten Membranen entfernt. Damit sich die Netzhaut wieder anlegt, wird entweder ein (sich resorbierendes) Gas oder ein (sich nicht resorbierendes) Silikonöl in das Auge eingebracht.

Prognose der Netzhautablösung

Die Prognose für das Auge und das Sehen bei einer Netzhautablösung ist vom Schweregrad und der Dauer der bestehenden Netzhautablösung abhängig.

Bei einer schnellen Diagnostik und Operation, bei nur kleinem betroffenen Netzhautareal und beim Fehler begleitender Augenerkrankungen ist die Prognose am besten.

Im günstigsten Fall kann das Auge mit voller Funktionsfähigkeit erhalten bleiben, im ungünstigsten Fall kann das Auge erblinden.

Daher ist es wichtig, schon bei dem geringsten Verdacht auf eine Netzhautablösung den Augenarzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere für stark kurzsichtige und kataraktoperierte Patienten.

Patienten, die bereits eine Netzhautablösung erlitten haben, sollten ebenfalls regelmäßig - auch auf dem anderen Auge - kontrolliert werden.

Fakten rund um die Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung tritt mit einer Häufigkeit von 1 : 10.000 auf.

Besonders gefährdet sind stark und extrem kurzsichtige Patienten und Patienten nach Katarakt-Operation.

Unbehandelt kann eine Netzhautablösung zur Erblindung führen.

 

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