Hornhauttransplantation (Keratoplastik)
Was ist das?
Verliert eine Hornhaut ihre natürlichen Eigenschaften wie
Durchsichtigkeit oder Stabilität und ist auf anderem Wege keine
Abhilfe nicht möglich, hilft nur die Übertragung (Transplantation)
einer klaren menschlichen Hornhaut.
Die Keratoplastik ist die erfolgreichste Gewebetransplantation
überhaupt. Die fremde Spenderhornhaut
wird vom Patienten (dem Empfänger oder auch Wirt) oft jahrzehntelang
toleriert. Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, müssen
meist nur vorübergehend eingenommen werden.
Durch eine erfolgreiche Transplantation können betroffene
Patienten das Sehvermögen wieder erlangen und damit wieder
lesen, sich orientieren, ihrem Beruf nachgehen.
Indikationen
Zu den häufigsten Krankheitsbildern, die im fortgeschrittenen
Stadium eine Hornhauttransplantation erfordern, zählen Wölbungsanomalien
der Hornhaut. Hier kommt es zu einer unregelmäßigen Verkrümmung
der Hornhaut, so dass kein klares Bild mehr entstehen kann. Der Keratokonus, bei dem es zu einer
kegelförmigen Vorwölbung der unteren und zentralen Hornhaut
kommt, ist ein hierfür ein Beispiel.
Trübungen der Hornhaut, die zum Verlust ihrer Durchsichtigkeit
führen, können vielfältige Ursachen haben. Dazu zählen
Narben nach Verletzungen, Infektionen,
Geschwüre (Ulcus) oder auch Ablagerungen bei bestimmten Stoffwechselstörungen.
Vorbereitung zur Keratoplastik
Eine Hornhauttransplantation ist nur selten ein akut notwendiger
operativer Eingriff. In der Regel geht eine längere augenärztliche
Behandlung, verbunden mit beratenden Gesprächen, voraus. Kann
kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis erreicht werden, wird
Ihr Augenarzt die Hornhauttransplantation als Alternative erwähnen.
Auch dann bleibt Ihnen genügend Zeit, sich mit der Thematik
auseinanderzusetzen.
Vor der Operation ist eine Untersuchung beim Hausarzt sinnvoll.
Es sollte sichergestellt werden, dass keine Einwände gegen
die Operation und Narkose bestehen.
Ein akuter, daher auch Notfall-Keratoplastik genannter Eingriff
ist nur in seltenen Fällen, z.B. nach einer Hornhautperforation
bei bestehendem Geschwür, notwendig
Ablauf der Operation
In den überwiegenden Fällen wird die Keratoplastik
in örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird ein
Betäubungsmittel mit einer feinen langen Nadel neben den Augapfel
(also nicht in das Auge!) gespritzt. Durch diese Art der Betäubung
sind das Auge und die Augenmuskeln vollständig betäubt.
Bei der Hornhauttransplantation wird in der Regel
nicht die gesamte Hornhaut übertragen, sondern nur der zentrale
Teil. Mit Hilfe eines speziellen Instrumentes wird unter dem Operationsmikroskop
ein kreisrundes Scheibchen aus der erkrankten Hornhaut herausgeschnitten.
Ein exakt gleich großes Scheibchen wird aus dem Zentrum der
Spenderhornhaut geschnitten und mit feinsten Nähten in die
Öffnung des Empfängerauges eingenäht.
Heilungsverlauf
Wenn der Augenverband zum ersten Mal entfernt wird, werden Sie
Licht, Farben und Umrisse sehen können. Einzelheiten werden
verschwommen und unscharf sein. Dies ist normal: nach einer Hornhauttransplantation
kann es viele Wochen und Monate dauern, bis sich das Sehvermögen
langsam bessert, während die Hornhaut heilt. In dieser Phase
sind relativ viele augenärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig,
um den den Heilungsverlauf zu beobachten und eventuelle Komplikationen
rechtzeitig erkennen zu können.
In vielen Fällen ist die postoperative Anwendung von Augentropfen
und eventuell auch -salben über viele Monate, manchmal auch
Jahre oder gar lebenslang, notwendig. Der Erfolg der Operation hängt
wesentlich davon ab, dass diese Medikamente verläßlich
und regelmäßig in der vom Arzt verordneten Häufigkeit
angewendet werden!
Das für die bestmögliche Sehschärfe notwendige
Brillenglas wird nach der Operation oft ganz anders sein als zuvor,
die Werte werden sich in aller Regel auch noch häufig ändern.
Die feinen Nylon-Nähte, mit denen das Transplantat eingenäht
wurde, verbleiben meist 1 - 2 Jahre in der Hornhaut. Sie müssen
jedoch in jedem Fall entfernt werden, den richtigen Zeitpunkt dazu
bestimmt der Augenarzt.
Falls nach der Fadenentfernung eine hohe, unregelmäßige Hornhautverkrümmung besteht, sind heutzutage kleine Korrektureingriffe zur Behebung
der Hornhautverkrümmung und damit der Verbesserung des Sehvermögens
möglich.
Die neue Hornhaut wird im Laufe der Monate und Jahre solide mit
einer feinen Narbe verheilen. Diese Narbe erreicht jedoch nie ganz
die Festigkeit einer nicht operierten Hornhaut. Daher sollten Sie
zeitlebens versuchen, Ihr operiertes Auge vor unnötigen Verletzungsgefahren,
z.B. durch das Tragen einer Schutzbrille beim Sport, zu schützen.
Komplikationen
Eine engmaschige Kontrolle bei Ihrem Augenarzt wird dazu beitragen,
dass eventuelle Komplikationen rechtzeitig erkannt und behandelt
werden können.
Aufgrund der lang andauernden Tropftherapie mit steroidhaltigen
Augentropfen ist z. B. eine Erhöhung des Augeninnendruckes
möglich, welche ggf. behandelt werden muß.
Wie nach jeder Gewebe- oder Organtransplantation können auch
noch nach vielen Jahren, meist lebenslang, Komplikationen - wie
z.B. eine Abstoßungsreaktion - auftreten.
Dabei handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Organismus gegen
das fremde Gewebe. Unbehandelt führt eine Abstoßungsreaktion
nicht zum Herausfallen des Transplantates, wohl aber zur Wiedereintrübung.
Das Risiko einer Abstoßung ist in den ersten 1-3 Jahren am
höchsten. Wenn sie früh genug erkannt werden, können
Abstoßungsreaktionen meist allein durch Augentropfen gestoppt
und das Transplantat klar erhalten werden. Da eine Abstoßung
zu Beginn nur geringe Symptome verursacht, ist es unerläßlich,
dass Sie umgehend Ihren Augenarzt oder direkt Ihre Augenklinik aufsuchen,
wenn Sie eine vermehrte Rötung, Lichtempfindlichkeit, Schmerz
und Berührungsempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen bemerken,
das länger als 2 Stunden andauert. Warten Sie niemals ab, "ob
es sich von selbst wieder gibt"!
Fakten
Die Hornhauttransplantation ist heute diejenige Gewebetransplantation,
die sowohl am häufigsten durchgeführt wird, als auch die
mit Abstand besten Erfolgsraten erzielt. Dies ist den bemerkenswerten
Fortschritten der mikrochirurgischen Technik, der postoperativen
medikamentösen Behandlung und vor allem den biologischen Eigenschaften
der Hornhaut, die sie für die lmmunabwehr des Körpers
weniger anfällig macht, zu verdanken.
Hornhauttransplantate stammen immer von verstorbenen Menschen.
Dazu werden die Augäpfel spätestens 12 Stunden nach Eintritt
des Todes von Augenärzten entnommen. Durch sorgfältige
Laboruntersuchungen wird sichergestellt, dass die Hornhaut funktionstüchtig
und gesund ist, also keine Krankheiten auf den Spender übertragen
werden können.
Die Hornhautspende ist - wie jede Organ- oder Gewebespende -
freiwillig und nie gegen den zu Lebzeiten erklärten Willen
eines Menschen möglich.
Die Spende einer Hornhaut nach dem Tode ist ein Geschenk für
einen anderen Menschen, das fortlebt. Niemals bezieht jemand einen
finanziellen Gewinn aus einer solchen Spende.
Eine Augen- oder Hornhautbank ist eine gemeinnützige Organisation,
die nach strengen medizinischen und ethischen Richtlinien geeignetes
Hornhaut-Spender-Gewebe gewinnt, konserviert und über die Augenchirurgen
an geeignete Patienten weiterleitet.
Informationen
zur Hornhautbank München.
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